Immer wieder Neues

  07.09.2022 •     Handball Männer Männer 1
Hagen Trostel hat in seinem Leben schon einiges ausprobiert und für sich entdeckt. Für den neuen Trainer des TSV Schmiden in der Württemberg-Liga der Handballer steht der Zusammenhalt im Vordergrund.

Wenn Hagen Trostel über Handball spricht, fällt rasch auf, dass er einen besonderen Blick auf die Sportart hat. Für den neuen Trainer der ersten Mannschaft des TSV Schmiden steht die menschliche Komponente im Vordergrund. Persönlichkeit, Kommunikation, Zusammenhalt und ein familiäres Umfeld innerhalb des Vereins und der Mannschaft sind ihm wichtig. Die Stimmung in einer neuen Umgebung aufzunehmen und Dinge umzusetzen, die für ihn bedeutend sind, das fällt dem Übungsleiter zu Beginn jedoch nicht so leicht. „Ich brauche stets eine lange Eingewöhnungszeit“, sagt Hagen Trostel, für den Neuanfänge grundsätzlich aber nichts Neues sind.

Der 38-jährige Neckarsulmer ist Ende April beim TSV Schmiden als Trainer der Männer präsentiert worden. Er hatte sich vorher schon ein Bild von der Mannschaft gemacht. Die Entscheidung für die Schmidener Handballer fiel ihm danach nicht mehr schwer. „Der ganze Verein hat es mir angetan. Es ist schwierig, ein Umfeld zu finden, das so familiär ist wie das des TSV Schmiden“, meint Hagen Trostel.

Bereits seit seinem 16. Lebensjahr trainiert der studierte Sportwissenschaftler Handball-Mannschaften. „Als Spielmacher hatte ich schon auf dem Feld viel zu sagen, das hat mich fasziniert“, sagt Hagen Trostel, der bei seinem Heimatverein Neckarsulmer Sport-Union von den Minis bis zur A-Jugend verschiedene Teams trainierte. Er war dann auch noch als Jugendkoordinator der JSG Neckar-Kocher tätig.

Das lief eine lange Zeit nebenher, während er selbst noch für den TSV Weinsberg, von 2008 bis 2015 für die Neckarsulmer Sport-Union und bis 2018 für die SG Degmarn/Oedheim spielte. Mit 34 Jahren musste er wegen eines Kreuzbandrisses seine Spielerkarriere beenden – eine kurze Phase zuletzt bei der HSG Benningen/Freiberg/Hoheneck II mal ausgenommen. Die Faszination für das Traineramt blieb. „Ich war immer dieser Ja-aber-Typ. Ich habe es verstanden, wusste es aber besser, wenn ein Trainer mir etwas erklärte“, sagt Hagen Trostel.

Wegen Unstimmigkeiten beendete er sein Engagement bei der JSG Neckar-Kocher. Und auch weil ihm die Anfahrt aus Ludwigsburg, dort wohnt er seit 2018 mit seiner Frau, zu weit wurde. Er wollte was Neues wagen, ähnlich wie nach seiner Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker, als er 2006 sein Sportstudium in Heidelberg anfing und 2010 beendete. Danach war er zwei Jahre lang als Fitnesstrainer in Fitnessstudios tätig. „Was völlig bescheuert war, da ich, statt Menschen zu trainieren, etwas verkaufen musste – und darin war ich eine Vollniete.“ Daraufhin arbeite er als Sport-Fachlehrer an Sonderpädagogischen Schulen und bis zuletzt in Bietigheim an der Schule am Gröninger Weg.

„Ich brauch immer etwas Neues. Selbst bei materiellen Dingen, das kostet mich leider viel Geld“, sagt Hagen Trostel, der bei sich zu Hause eine Sneaker-Sammlung herumstehen hat. 2020 startete er dann erneut etwas anderes. Der Tausendsassa ging zurück zu seinem Ausbildungsberuf als KFZ-Mechatroniker. „Ich wollte weg vom Sport und vom Handball, einfach einen geregelten Alltag mit acht Stunden Arbeit“, sagt er.

Beim TSV Schmiden hat er nun wieder seine Leidenschaft für den Handball entfacht. „Die Jungs sind klasse, verstehen sich super. Mir geht es aber auch darum, dass sich die Mannschaft auf dem Feld in- und auswendig kennt.“ Er muss seine Spieler lange sehen und trainieren, um sie richtig kennenzulernen, daher auch die Eingewöhnungszeit, die Hagen Trostel benötigt. Die Persönlichkeit seiner Akteure steht für ihn ganz besonders im Vordergrund. Die Verständigung im Team, die Abstimmung. Wie gut die Schmidener schon auf dem Spielfeld harmonieren, wird sich erstmals zum Saisonstart in der Württemberg-Liga am 17. September beim Nachbarn SV Fellbach zeigen.

erstellt von Luis Manzi von der Fellbacher Zeitung