Die Spielklassen werden neu geordnet
  26.07.2019 •     Handball Männer Männer 1 Männer 2 Frauen Frauen 1

Der Handballverband Württemberg stellt sein Spielsystem auf Verbandsebene zur Saison 2020/2021 um und führt dabei mit der Verbandsliga eine zusätzliche Klasse ein. Noch sind allerdings nicht alle offenen Fragen abschließend geklärt.

Die Männer-Handballteams des TV Oeffingen und des TSV Schmiden II werden im September in die neue Spielzeit 2019/2020 in der Landesliga starten. Diese ist dann, wie bisher auch, die sechsthöchste deutsche Spielklasse. Gelingt den beiden Mannschaft der Klassenverbleib, dann dürfen sie auch in der darauffolgenden Saison 2020/21 wieder in der Landesliga antreten. Dann allerdings ist diese nicht mehr die sechste, sondern nur noch die siebte Stufe in der nationalen Ligen-Hierarchie.

Was auf den ersten Blick etwas unverständlich erscheint, hat einen einfachen Grund. Und der lautet: Spielklassenreform. Diese hat der Handballverband Württemberg (HVW) im April beschlossen; nun wird sie in knapp 14 Monaten sportlich umgesetzt. „Wir haben vom Verbandspräsidium und von den Vereinen den Auftrag bekommen, die notwendigen Maßnahmen in die Wege zu leiten, damit wir in einem Jahr ohne Komplikationen starten können“, sagt Walter Hartmann. Der Funktionär mit jahrzehntelanger Erfahrung im Handballgeschäft war 31 Jahre lang Abteilungsleiter beim SV Fellbach. Aktuell ist er Referent für Spieltechnik im Bezirk Rems/Stuttgart und sitzt zudem im Verbandsausschuss Spieltechnik, der schon seit mehreren Jahren mit der Vorbereitung der Reform betraut ist.

Der erste Entwurf der neuen Struktur wurde im August 2018 vorgestellt, von September bis März 2019 wurden die Planungen dann in den Bezirken und mit den 370 Vereinen zwischen Hohenlohe und Bodensee diskutiert. „Die Vereine waren von Beginn an eingebunden. Wir waren auf zahllosen Abteilungsversammlungen unterwegs, die Ideen und Kritiken wurden gehört“, sagt Walter Hartmann.

Der zentrale Punkt der Reform ist die Wiedereinführung einer Verbandsliga, die dann, zwischen Landes- und Württembergliga angesiedelt, im nächsten Jahr ihren Spielbetrieb aufnehmen soll. Eine Verbandsliga gab es im württembergischen Frauen- und Männerhandball schon vor einigen Jahren, doch dann wurde sie jeweils in Württemberg-Liga umbenannt, die dort vertretenden Teams geografisch in eine Nord- und eine Südgruppe aufgeteilt.

Für die Saison 2020/2021 werden aus den bislang insgesamt 30 Mannschaften der aktuellen Württemberg-Ligen bei den Männern – darunter auch der TSV Schmiden – respektive 26 bei den Frauen – darunter der HC Schmiden/Oeffingen -, die 14 leistungsstärksten nach den jeweils beiden Oberliga-Aufsteigern weiter in der Württemberg-Liga spielen. Die übrigen Teams finden sich zusammen mit den Aufsteigern aus den Landesligen in den Verbandsligen Süd und Nord wieder. Das sind insgesamt jeweils 28 Mannschaften bei den Frauen und Männern. „Durch leistungsmäßig ausgeglichenere Staffeln steigern wir die Attraktivität in den Ligen. Zudem liegt der Vorteil darin, dass wir flexibler auf Veränderungen wie anzupassende Staffelgrößen oder Mehrabstieg aus höheren Ligen reagieren können“, sagt Michael Roll aus Horkheim, der Vorsitzende des Verbandsausschusses Spieltechnik.

Eines der größten Probleme der Vergangenheit waren die Relegationen, die oft bis weit nach Saisonende andauerten. „Auch das entzerren wir jetzt“, sagt Walter Hartmann. Und schließlich wird durch die Reform noch eines der größten Sorgenkinder im württembergischen Handball angegangen, nämlich die stetig abnehmende Zahl von Schiedsrichtern. Durch die Reduzierung der Staffelgrößen müssen in einer Saison auf Verbandsebene künftig 200 Spiele weniger mit Unparteiischen besetzt werden als bisher.

In den Vereinen stößt die Umstrukturierung derweil trotz der frühen Einbeziehung in den Entscheidungsprozess momentan noch auf ein geteiltes Echo. Zwar gibt es Klubs, deren Mannschaften auf Verbandsebene unterwegs sind, für die durch die kleineren Staffeln Hallenkapazitäten für andere Teams frei werden. Andererseits, und das ist das Hauptargument der Kritiker, fallen in den neuen, nach aktuellem Stand auf zehn Teams pro Gruppe verkleinerten Landesligen, mindestens vier, teilweise sogar acht Begegnungen pro Saison gegenüber den in der Vergangenheit zum Teil mit 14 Teams ausgetragenen Wettbewerben weg.

„Vor allem was die Heimspiele betrifft gefällt mir das gar nicht, wenn da plötzlich drei oder vier weniger zu absolvieren sind. Für die meisten Vereine, und speziell für die, die viele Zuschauer haben, ist das doch auch finanziell ein Nachtteil“, sagt Pascal Diederich, der Trainer der Oeffinger Landesliga-Männer.

Ungeklärt ist zudem noch die Frage, welche Platzierungen tatsächlich im kommenden April für die Direktqualifikation zur Württemberg-Liga und zur Verbandsliga ausreichen, und wer dann noch Auf- oder Abstiegsspiele bestreiten muss. „Wir sind weiter im Austausch und im Entscheidungsprozess. Noch ist nicht alles abschließend  beschlossen, aber ich bin mir sicher, dass es eine notwendige  Reform ist, die wir auf einen guten Weg bringen“, sagt Walter Hartmann. Fein raus ist nach ihrem jüngsten Aufstieg in die Baden-Württemberg-Oberliga die erste Männermannschaft des SV Fellbach. Sollte es am Saisonende einen Abstieg aus der vierthöchsten Klasse geben, dann wäre der Platz unter den 14 Württembergliga-Teams für die Saison 2020/21 gesichert.

erstellt von Harald Landwehr von der Fellbacher Zeitung