Kurioses und furioses Finale
  12.04.2019 •     Handball Männer Männer 1

Jan Hellerich (links) hat mit den Teamgefährten des TSV Schmiden die besten Aussichten auf den ersten Tabellenplatz. Foto: Patricia Sigerist
In der Württemberg-Liga sind kurz vor Saisonende mehrere Mannschaften nahezu gleichauf an der Spitze, darunter der TSV Schmiden und der momentane Tabellenführer SV Fellbach.


Zweimal, so erzählt Henning Fröschle, sei er zu seiner Zeit als aktiver Handballer nicht aufgestiegen, weil am Ende einer Saison entweder das Torverhältnis oder der direkte Vergleich gegen sein Team gesprochen hatte. In diesem Jahr sprechen jene Parameter für Henning Fröschle, nun in der Rolle des Trainers beim TSV Schmiden. Drei Spieltage liegen zwischen dem scheidenden Trainer und dem Aufstieg mit dem von ihm angeleiteten Ensemble in die Baden-Württemberg-Oberliga. Zunächst spielen die Schmidener diesen Samstag (19.30 Uhr, Sepp-Hipp-Halle) bei der HSG Fridingen/Mühlheim, am 27. April (18 Uhr) gegen den TV Flein sowie abschließend am 4. Mai (19.30 Uhr) bei der SG BBM Bietigheim II. Sie müssen diese drei Begegnungen, das zeigt ein Blick auf das Klassement in der Württemberg-Liga, aber wohl allesamt gewinnen.

Denn die Schmidener Handballer um den zielstrebigen Kreisläufer Jan Hellerich befinden sich derzeit lediglich auf dem dritten Rang, da sie ein Spiel Rückstand auf die Konkurrenten vom SV Leonberg/Eltingen und vom SV Fellbach aufweisen. Einen Zähler dahinter – und ebenfalls mit einer Partie im Hintertreffen – lauert zudem der VfL Waiblingen mit dem ehemaligen Schmidener Spieler und Trainer Tim Baumgart in der Verantwortung. Der direkte Vergleich mit der Konkurrenz, bei Punktgleichheit am Schluss entscheidend, fällt ausnahmslos zugunsten des TSV Schmiden aus. Daher sagt Henning Fröschle: „Wir haben alles in den eigenen Händen.“

Der SV Fellbach um den Spielertrainer Andreas Blodig, derzeit als formstärkstes Team an der Spitze des Tableaus, hat nur noch zwei Partien zu absolvieren und beendet die Saison – ein weiteres Kuriosum – bereits am 27. April bei der HSG Fridingen/Mühlheim. Zunächst wartet am Sonntag (17 Uhr, Sandberghalle) der TV Flein auf den SVF. Sollten alle vorderen Teams ihre Partien vollends gewinnen, wäre der SV Fellbach auf dem zweiten Platz, der aber wohl aufgrund der Konstellation in den oberen Ligen keine Relegationsspiele – just an der Zusatzrunde hat 2018 noch der TSV Schmiden teilgenommen – mit sich bringen wird. Für den SVF gar nicht so verkehrt: Zum potenziellen Rückspieltermin der ersten Relegationsrunde ist die Mannschaft auf Abschlussfahrt in Prag. „Wir hatten nicht erwartet, noch vorne reinzurutschen“, sagt Andreas Blodig zu der zunächst möglichen Terminkollission, die nun aber offenbar ungeachtet der restlichen Resultate nicht zustande kommen wird.

Eine solche Situation, mit vier Mannschaften auf Augenhöhe an der Spitze haben Henning Fröschle und Andreas Blodig bisher so wenig erlebt wie Tim Baumgart. Der Übungsleiter des VfL Waiblingen verweist auf die Ausgeglichenheit der Liga und zeigt sich gespannt, wer am Ende aufsteigen wird. „Mein Bauchgefühl sagt mir, dass es entweder die Fellbacher oder wir machen“, sagt der VfL-Trainer, der in Oeffingen wohnt. Da die Handballer des VfL Waiblingen fünf der sechs Partien gegen die direkten Konkurrenten verloren haben, sind sie auf Patzer aller drei Vorderen angewiesen, weshalb Tim Baumgart die eigenen Chancen auf „etwa 20 Prozent“ beziffert. Auch die SF Schwaikheim, Konkurrent und Gastgeber seines Verbundes am Samstagabend, haben bei drei Zählern Rückstand auf die Spitze noch – wenn auch nur theoretische – Chancen auf den ersten Rang.

Die Württemberg-Liga steuert wohl auf ein kurioses und furioses Finale zu.

erstellt von Patrick Brun von der Fellbacher Zeitung