Ein Bekannter vom Hören und Sehen
  11.04.2019 •     Handball Frauen Frauen 1

Positive Vorzeichen: Thomas Lutz darf mit den Handballerinnen des HC Schmiden/Oeffingen auf den Ligaverbleib hoffen. Foto: Maximilian Hamm
Thomas Lutz, 56, ist seit Anfang dieses Jahres hauptverantwortlicher Trainer beim HC Schmiden/Oeffingen und möchte mit dem Team am Samstag zum Saisonabschluss in der Württemberg-Liga auch die letzten Abstiegssorgen loswerden.

Thomas Lutz nimmt seine Traineraufgaben am Spielfeldrand lautstark wahr. Das ist schon länger keine ungewohnte Stimme für die Handballerinnen des HC Schmiden/Oeffingen. Obwohl der 56-jährige Coach das Amt erst seit Beginn dieses Jahres bekleidet, kennen ihn die allermeisten Spielerinnen schon seit dem September des Vorjahres. Seitdem seine Tochter Silke Lutz, 19, zu Beginn der Saison nach Schmiden gewechselt ist, kam auch Thomas Lutz regelmäßig zu den Spielen – und feuerte die Handballerinnen von der Tribüne aus lautstark an. Er war also ein Bekannter vom Hören und Sehen, als er sich Anfang Januar dem Verbund des HC Schmiden/Oeffingen im Probetraining vorstellte. Beim Gastspiel in Bietigheim war er dann erstmals hauptverantwortlich an der Seitenlinie, nachdem er mit seinem Assistenten Thomas Rost die Rollen getauscht hatte. Als Cheftrainer hat er in acht Spielen sechs Punkte geholt, damit seine Anvertrauten aber nicht aus dem Abstiegskampf führen können. Sie stehen nun allerdings kurz davor: Am Samstagabend, 17.30 Uhr, gastieren sie beim abgeschlagenen Tabellenletzten HSG Kochertürn/Stein und können mit einem Sieg den Verbleib in der Württemberg-Liga aus eigener Kraft schaffen.

Thomas Lutz war schon als Zuschauer mit dabei, als der Trainer Thomas Fürst mit dem Team des HC Schmiden/Oeffingen in die neue Saison startete. Er war mit dabei, als dessen Nachfolger, der vormalige Co-Trainer Thomas Rost, gegen Ende des vergangenen Jahres gleich bei seinem Start als Interimslösung drei Siege nacheinander feiern durfte. Er sah aber auch, wie die Spielerinnen zum Jahresabschluss bei der SV Remshalden eine herbe Niederlage hinnehmen mussten.

„Ich habe dann ein verunsichertes Team vorgefunden, das nicht gewusst hat, wo es steht. Nominell ein potenzieller Aufsteiger, doch die Spielerinnen haben es im Kopf nicht hingekriegt“, sagt Thomas Lutz, der sich vor dem Einstieg im Verein mit Thomas Rost beraten hatte. In seiner kurzen Schaffenszeit hat er zwar die Schwächen in der Abwehrarbeit nicht entscheidend verbessern können, doch immerhin haben die Handballerinnen des HC Schmiden/Oeffingen jetzt noch die Chance auf den Verbleib in der Württemberg-Liga.

Der Trainer selbst war als Handballer nie in Abstiegsgefahr. Das lag aber daran, dass er nie als Handballer aktiv war. Er war Ringer beim ASV Oßweil, Fußballer beim FSV Oßweil und wurde dann eingeladen zu einem Handballspiel der TSG Oßweil um den damaligen Trainer Velimir Petkovic (heute bei den Füchsen Berlin in der Bundesliga). Das hat ihm so gut gefallen, dass er beim Handball hängengeblieben ist und von Velimir Petkovic viel gelernt hat. Anschließend hat Thomas Lutz, nachdem er die Schreinerei seines Vaters übernommen hatte, seit Ende der 1990er Jahre die Jugendteams des Vereins betreut und trainiert, auch seinen Sohn Steffen, heute 25. Nach dem Start des SV Oßweil, dessen Gründungs- und Vorstandsmitglied er ist, setzte er dort seine Trainertätigkeit vor rund zehn Jahren fort. In dieser Saison begnügte er sich zunächst mit der Rolle des Zuschauers, doch seit Beginn dieses Jahres feuert Thomas Lutz die Spielerinnen auch wieder lautstark vom Spielfeldrand aus an.

„Das Vertrauen zu mir wächst“, sagt der Coach, der allerdings noch nicht weiß, ob er auch in der nächsten Saison noch als Trainer dabei sein wird. Das hängt wohl unmittelbar mit dem Ausgang der Begegnung am Samstag zusammen. Denn seine vordergründige Aufgabe war es, den Ligaverbleib zu schaffen. Den haben die Handballerinnen HC Schmiden/Oeffingen nun in den eigenen Händen.

erstellt von Maximilian Hamm von der Fellbacher Zeitung